Offenes Projekthaus Braunschweig:Konzept

Aus Schöner Wohnen
Wechseln zu: Navigation, Suche

offizielles Konzept
Anregungen aus dem Konzept des Löwenzahn e.V.

Inhaltsübersicht

Erwartungen / Anspruch des Projektes

nichtkommerziell

Die Infrastruktur soll nur für nichtkommerzielle Projekte genutzt werden. Wie viel Geld Menschen haben oder für das Projekt beisteuern können oder wollen soll nicht entscheidend für deren Beteiligung sein. Projekte sollten aus politischen Motivationen oder Interessen heraus gemacht werden und nicht um möglichst viele Spendengelder zu kassieren oder ein gutes Mainstream-Image zu bekommen. Geld, was durch Projekte reinkommt, soll zu deren Erhaltung und Ausbau sowie für weitere Projekte genutzt werden, nicht um einzelne, etwa Hauptamtliche zu begünstigen. Durch Hauptamtliche bestünde - wie bei Greenpeace, BUND, Bürgerintiativen und anderen NGOs der Fall - die Gefahr, dass kommerzielle Motive(z.B. Sorge um den eigenen Arbeitsplatz) die Projekte und Öffentlichkeitsarbeit beeinflussen, z.B. weniger radikale Forderungen und Ansprüche um aus bürgerlichen Kreisen mehr Spendengelder zu bekommen.

offen

Die Idee eines "Offenen Raums"[1], die ein Prinzip des Projekts ist, funktioniert nur, wenn nicht nur einem kleinen Kreis Eingeweihter bekannt ist, dass das Haus genutzt werden kann und welches Potential es birgt, sondern diese Informationen offensiv kommuniziert werden. Andernfalls würde der Raum von einigen Menschen "besetzt" und de facto nicht mehr "offen" sein. Ziel ist also, immer wieder neue Menschen zu erreichen und dass diese mit neuen Ideen Bewegung in das Projekthaus zu tragen.

Um Wissenshierarchien abzubauen und allen die gleichberechtigte Nutzung zu ermöglichen, sollen Räume, Aufbewahrungsorte, Geräte und Werkzeuge selbsterklärend sein[2] bzw. entsprechend ihrer Funktion z.B. farbig gekennzeichnet sein[3].

Menschen müssen nicht zwangsläufig Bestandteil des Hausprojektes sein, um am einzelnen Projekten teilzunehmen. Es wäre jedoch wünschenswert, wenn sie sich für die Aufrechterhaltung und Pflege der Infrastruktur einsetzen. Besonders neuen Leuten soll Hilfe angeboten werden sich zurechtzufinden und gezeigt werden, wie das Haus funktioniert, was möglich und nötig ist und wo es was gibt. Für alles gibt es verantwortliche Gruppen bestehend aus den dort Aktiven. Verantwortlichkeit soll jedoch nicht Bestimmungsrecht bedeuten. Für die gemeinsame Verwaltung sollen Absprachen getroffen werden.

gleichberechtigter, bewusster und verantwortlicher Umgang

Niemensch hat den Hut auf - jedeR soll sich verantwortlich fühlen. Es gibt keine BestimmerInnen, alle sollen die gleichen Möglichkeiten Projekte zu gestalten und den gleichen Zugang zu Ressourcen haben. Entscheidungen sollen nicht von Einzelnen, sondern den Betroffenen getroffen werden. Da es keine allgemeingültigen Regeln gibt, die Verhaltensweisen für alle vorschreiben, ist es sinnvoll, eigene Ansprüche zu kommunizieren und auch Befindlichkeiten anderer Leute zu berücksichtigen. Dies kann in Rollenspiele und Gruppentrainings geübt werden.[4]

Als ökologische Alternative zur Wegwerfgesellschaft sollen Dinge einerseits sorgsam und auch sachgerecht (entsprechend ihrem Verwendungszweck) genutzt werden und andererseits ist es bei Defekten oft möglich, sie zu reparieren. Dazu sollen Workshops angeboten werden. Denkbar sind auch Experimente zum Leben ohne Müllerzeugung.

autonom

selbstbestimmt, selbstverantwortlich, selbstorganisiert

kein Wohnraum

Das Haus soll ein Projekthaus sein, d.h. die Projekte und die dabei anfallenden Arbeiten stehen im Vordergrund. Das Haus soll explizit auch nicht nur zum Teil zu einem Wohnraum werden. Mit Wohnen nach der üblichen Bedeutung sind für die meisten von uns negative Dinge verbinden.

  • Untergebrachtsein: Wohnen ist meistens ein Begrenzen des Lebensraumes eines Menschen auf ein Gebäude. Verbunden damit ist vor allem in Städten eine Massenunterbringung und Einengung.
  • Eigentumsbehältnis: Oftmals sind Wohnung Stauraum für persönliche Dinge. Nicht selten werden sie auch als Prestigeobjekte betrachtet und entsprechend hergerichtet, um Eindruck bei anderen zu schinden.
  • Privatanspruch: Nach hiesiger Sozialisation ist eine Wohnung ein streng privater Lebensraum. Fremde sind dort ausgeschlossen. Auch zeitweise ungenutzte Räume sind damit für Andere nicht zugänglich, was gemeinschaftliche Nutzung von Geräten oder Möbeln meist schwierig macht.
  • Privatgeheimnis: Was hinter der Wohnungstür geschieht, gehe niemensch etwas an. Leider macht häusliche Gewalt einen großen Anteil der Gewalt zwischen Menschen aus. Streite eskalieren oft, da mensch im Allgemeinen wenig Konfliktfähig ist. Durch die Privatheit der Wohnung ist es nur sehr schwer möglich, von außen helfend einzugreifen oder Gewaltanwendung zu verhindern. Das Rufen der Polizei ist meist unnütz und wird auch von einigen Menschen prinzipiell abgelehnt, da für diese alle Menschen gleichermaßen in das Leben anderer Menschen intervenieren können sollen. Außerdem sind die Methoden der Polzei nicht selten fragwürdig und eher geeignet, Gewalt zwischen Menschen zu vergrößern, anstatt diese zu verringern.

Neben diesen Gründen gibt es weitere Probleme, die daraus entstehen, dass der Bereich neben möglichen Wohnraum ein Offener Raum sein soll. Mögliche Konflikte sind:

  • Beanspruchung eigener Zimmer und Ausschluss von Menschen (s.o.)
  • Vermüllung der eigenen Räume ("Das geht Dich nichts an"). So könnten leicht Müll-Inseln innerhalb des sonst auf verantwortungsvollen Umgang miteinander und mit Gegenständen ausgerichteten Haus entstehen.
  • Verantwortungsloser Umgang mit 'Wohnräumen', da diese nur halbprivat sind. Sobald Räume 'abgenutzt' sind, sucht mensch sich einen anderen. Diese Negativerfahrung wurde bereits in meheren Offener-Raum-Projekte gemacht und soll daher von Anfang an vermieden werden.

Kommunikation

Kein Plenum, sondern Diskussion wenn nötig mit Betroffenen und Dokumentierung an Infowänden (Transparenz), damit auch anderen aus diesen Erfahrungen lernen können. Diskussionen auf Email-Listen auf Infowände übertragen, Klozeitung - 'was geht ab' / 'wo brennts'

>nict Plenum, permanente Diskussion, Klozeitung Bescriftungen im Haus, 'wie funktioniert das Haus'-Ordner, pappzettel (wenn was nicht gefällt, wird es angepappt - wo auch immer) Konfliktfähigkeit ist eine wichtige Voraussetzung für das Zusammenleben. Dazu zählt, bei Problem nicht einfach weg zu laufen und Konflikte zu verschleppen. Statt dessen sollten nicht erfüllte Erwartungen kommuniziert und Probleme von den Betroffenen selbst so angesprochen werden. Um die typische Abwehr-, Rechtfertigungs- ung Gegeoffensive-Reaktion zu vermeiden, ist Kritikfähigkeit bei allen Beteiligten notwendig. Dazu sollen Trainings stattfinden.

Projekte

Gesamtprojekt

  • hier soll die Idee des Offenen Raumes als Raum für beliebige neue Projekte erläutert werden
  • Kommunikationsstrukturen
  • Einfügung ins Konzept der "Widerstands-NomadInnen"

negative Erfahrungen bisheriger Offener Raum Projekte sammeln, um daraus zu lernen Checkliste: was macht einen Offenen Raum aus?. kein komplett offener Raum, da Erwartungen an das Projekt geknüpft sind. Daher nur offene Plattform für offene Projekte. Es ist vorgeben, dass Einzelprojekte bestehen sollen. evtl. sinnvoll: Projektliste mit Kurzbeschreibungen

Realisierung

Organisation

Lohnarbeits- und Zwangsdienstverhältnisse haben neben den grundsätzlichen ideellen kritikwürdigen Fremdbestimmungsaspekten weitere ungünstige Folgen für die Organisation eines gleichberechtigten Projekts und die politische Organisierung einer emanzipatorischen Gesellschaft. Häufig führen formalisierte Tätigkeiten zu abgehobenen Ansprüchen gegenüber "einfachen" Freiwilligen - die Logik der Lohnarbeit wird dann auf den Bereich nicht-marktförmiger politischer Organisierung übergestülpt. Häufig werden aus der quantitativeren und vielleicht auch qualitativeren Arbeit, die solche Arbeitsverhältnisse oft bewirken, bilden sich schnell dominante Konstellationen oder auch Hierarchien von Wissen und Informationen. Diese Beobachtungen stammen von ganz und gar nicht hierarchiefreien Verbänden wie dem NABU[5], wirkten sich aber manchmal so sehr aus, dass diese Dominanz und Hierarchie trotzdem kritisiert wurde. Auch bei eher basisdemokratischen Organisationen ist die Dominanz der Hauptamtlichen gegenüber ehrenamtlichen Freiwilligen meist klar erkennbar.

Von vielen gemeinnützigen Organisationen werden ABM- und 1-Euro-Jobs vergeben, häufig mit der Begründung, die Betroffenen wollten das ja auch und seien froh, bei ihnen arbeiten zu können. Das mag bei einigen Menschen auch stimmen. Trotzdem ist die politische Botschaft, die eine Beteiligung an diesem verschärften Ausbeutungs[6]- und Unterdrückungssystem[7] aussendet, nicht unrelevant. Es ist unglaubwürdig, sich einerseits für eine soziale, gerechtere Gesellschaft einzutreten und andererseits diese Unterdrückungsmechanismen mitzutragen. Zumal diese Themen politisch immer noch heiß umkämpft sind und jede Organisation, die 1-Euro-Jobs einrichtet, sich damit auf die Seite derer BefürworterInnen stellt. Wegen der politischen Signalsetzung ist unter diesen Umständen auch eine subversive Ausnutzung von 1-Euro-Jobs hochproblematisch.

Im Projekthaus soll es aufgrund vorgenannter Bedenken keine Lohnarbeit und noch mehr keine Zwangsdienste[8] geben. Auch andere formalisierte Arbeitsverhältnisse stehen in der Regel im Widerspruch zum Prinzip Offener Räume. Aber es gibt Konstellationen, unter denen die Einrichtung formaler Arbeitsverhältnisse auch hier vorstellbar und ideell unschädlich ist: Wenn das Arbeitsverhältnis nur formal (z.B. gegenüber einer fördernden Einrichtung) besteht, die tatsächlichen Tätigkeiten (nicht nur was und wann, sondern auch ob gearbeitet wird) aber selbstbestimmt erfolgen und selbst dann noch kritisch reflektiert wird, welche Auswirkungen solche Stellen haben. Beispiele hierfür sind die sogenannten Freiwilligendienste, honorarbasierte Tätigkeiten oder Projektstellen, die über externe Förderprogramme finanziert werden.[9]

sogenannte Freiwilligendienste

Etwas formaler angesiedelt werden könnten PraktikantInnen- und FÖJ[10]-Stellen für Menschen, die gern in einem Bereich hier tätig werden möchten und für ihre Arbeit ein Stück Papier (z.B. Arbeitszeugnis) haben wollen. Es gibt zwar einige hier aktive Menschen, die nicht viel von der Verwertungslogik[11] solcher Stellen halten, dies muss aber nicht Grund für ein Veto dagegen sein. Vorausgesetzt, die Arbeit der Leute erfolgt selbstbestimmt (mindestens soweit es die "Einsatzstelle" betrifft) und dass Verwaltungs- und Kostenaufwand für solche Stellen nicht fremdbestimmt an den Projekten und den dort Aktiven hängen bleiben, sondern von den PraktikantInnen und FÖJlerInnen selbst organisiert wird.

Motivation, einen dieser sogenannten Freiwilligendienste aufnehmen zu wollen sind häufig die nicht sehr selbstbestimmten Rahmenbedingungen, in denen die betreffenden Menschen leben. Um weiterhin Kindergeld zu bekommen, fehlt es vielleicht am Nachweis einer förderfähigen Betätigung, die das FÖJ oder Praktika in der Regel darstellen. Oder jemand möchte eine Zwangsmaßnahme der Arbeitsagentur durch ein Praktikum abwehren. Eine zweite Motivation muss dann noch dazukommen, wenn jemand im Rahmen eines FÖJ oder Praktikums wirklich tätig werden will - das Interesse an der Sache. Natürlich kann jemand sich auch einfach nur die Praktikumsbescheinigung organisieren, um den gewünschten Effekt zu erzielen, das ist für diese Konzeption für weitere Ausführungen aber nicht interessant.

Die "Freiwilligen" könnten ihre Arbeit natürlich auch ohne formale Konstrukte wie FÖJ oder Praktikum machen. So bekommen sie aber auch noch etwas Geld für etwas, das sie sowieso machen wollen (und häufig noch andere Vorteile). Da wir nicht vorhaben, den Freiwilligen vorzuschreiben was sie machen sollen, ist ihre Tätigkeit hier auch gleichberechtigt zu dem was Andere ohne diesen Status machen.

Für den Einsatz von Freiwilligen im Rahmen von FÖJ oder Praktikum wird in der Regel ein juristischer Träger gebraucht - z.B. ein eingetragener, gemeinnütziger Verein. Da die Anerkennung als Einsatzstelle und auch einige formale Bedingungen Aufwand machen, ist es sinnvoll, einige Vereine im Projekthaus als Träger von solchen Stellen zu nutzen, statt dass jeder einzelne Projektbereich dies jeweils neu tun muss. Aufgrund der großen Zahl und Vielfalt an Projekten hier sollte es möglich sein, passende Einsatzbereiche für FÖJ & co. zu beschreiben und zu begründen, warum mehrere Stellen angebracht sind. Die Freiwilligen sind dann von vornherein nicht auf bestimmte Projekte festgelegt, können aber prinzipiell überall tätig werden.

Einige Freiwilligendienste erfordern finanzielle Beteiligungen der Einsatzstelle, beispielsweise trifft dies auf das FÖJ zu. Diese Kosten sollten nicht an den Trägervereinen im Projekthaus "hängenbleiben", sondern von denen, die diese Möglichkeiten nutzen wollen, erbracht werden. Wie das geschehen kann, ist ganz offen - angefangen bei Spenden durch die Freiwilligen selbst über Projektanträge, die diese Stellen kofinanzieren bis zu Kostenübernahmen durch begünstigte Projekte. Da erfahrungsgemäß auch bei verbindlichen Absprachen hin und wieder solche Vereinbarungen nicht eingehalten werden, sollte über einen Rücklagen-Topf nachgedacht werden, der notfalls - es muss kommuniziert werden, dass das nicht gewollt ist - die Kosten für eine Freiwilligenphase übernehmen kann.

Honorar- und Projektstellen

Manche Gruppen oder Projekte werden für ihre Arbeit öffentliche oder private Zuschüsse beantragen. Dort gibt es Geld in der Regel nur für zweckbestimmte Ausgaben, z.B. für Personalstellen, Technikanschaffung, Betriebskosten oder Verbrauchsmaterial. Um diese Geldquellen effektiv zu nutzen, kann es sinnvoll sein Honorartätigkeiten vorzusehen oder formal Projektstellen einzurichten. Vorausgesetzt, der dadurch entstehende Verwaltungsaufwand bleibt bei denen, die diese Möglichkeiten einrichten, ist das in Ordnung, wenn daraus keine Probleme für den offenen Charakter des Gesamtprojekts entstehen. Aus solchen "Jobs" oder Stellen sollten sich keine formalen oder unterschwellig formulierten Vorrechte oder Ansprüche gegenüber anderen Menschen im Projekthaus ergeben. Auch die Außenwirkung, die solche Arbeitsverhältnisse für das Gesamtprojekt in Bezug auf die Kritik an kapitalistischen Ausbeutungsverhältnissen und ungleichberechtigten Zuständen hat, sollte bedacht werden.

Werk- und Honorarverträge werden bei Projektanträgen häufig für klar umrissene Tätigkeitsfelder eingesetzt, z.B. für einen Vortrag oder die Erarbeitung einer Broschüre. Projektstellen dienen meist der Organisation größerer Projektbereiche oder ganzer Kampagnen; die Arbeitsfelder sind recht grob umrissen. Die anfallenden Arbeitsentgelte können entweder für andere Projekte gespendet werden (formal problematisch ist in der Regel, wenn Honorarzahlungen etc. direkt wieder als Spende zurückgehen; auch die offene Bekundung, Honorare würden dann zum spenden genutzt werden, könnte auf Probleme stoßen, da dann formal fraglich ist, ob es sich um eine "notwendige Ausgabe" handelt) oder für die Finanzierung des eigenen Lebens verwendet werden. Wie damit umgegangen wird, ist letztlich Sache der Projekte. Angeregt werden soll hier nur, sich damit auseinanderzusetzen, dass die Privatisierung von Geldern neue Hierarchien schafft oder alte verstärkt, da in der Regel dadurch die Zugangsmöglichkeiten zu marktförmiger Organisierung für einzelne erhöht wird. Das kann - über die Spannungen, die sich aus ungleichen Handlungsmöglichkeiten ergeben - zu Problemen auch in der politischen Organisierung führen. Kreative Ideen sind gefragt.

Träger von Honorar- oder Projektstellen sind in der Regel juristische Personen, also z.B. ein eingetragener Verein. Für viele Projektanträge wird die Nutzung einer solchen Struktur nötig sein. Bewusst sollte denen, die einen anderen Verein als formalen Träger ihrer Projekte nutzen wollen, sein, dass solche Anträge für diejenigen, die den Verein betreiben, häufig zusätzlichen Aufwand bedeutet und dass verbindliche Absprachen nötig sind. Formal sind die VereinsvertreterInnen (zumindest finanziell) für dein Projekt verantwortlich. - Es ist sehr ärgerlich, wenn Absprachen nicht ernstgenommen werden und dann möglicherweise eigentlich Unbeteiligte die Folgen dieses Verhaltens tragen müssen.

Finanzierung

Ein Teil der Kosten, die im Zusammenhang mit dem Projekthaus und den darin laufenden Projekten entstehen, können durch kreative Selbstorganisation auch gratis organisiert werden. Ein weiterer Teil kann durch Spenden gedeckt werden. Diese kommen aber nicht automatisch - für gewöhnlich bedarf es einiger Anstrengungen, um relevante Spendeneinnahmen zu erzielen. Daher sollte die Deckung der Ausgaben nicht zu sehr von einer Spendenfinanzierung abhängig gemacht werden. Neben der Gratisorganisation zur Reduzierung geldbasierter Ausgaben werden daher bedeutende Teile der Aufwendungen über Zuschüsse von Stiftungen, staatlichen Stellen und anderen Organisationen zu beschaffen sein.

Hierbei gilt wieder das Prinzip der Autonomie der Projekte: möglichst wenig soll zentral angesiedelt sein, sondern dezentral von den verschiedenen Projekten organisiert werden. Damit verteilen sich Verantwortlichkeiten, unterschiedliche Projektansätze können nebeneinander stehen und müssen nicht so sehr inhaltlich miteinander abgestimmt werden und die Auswirkungen von scheiternden Projekten reduzieren sich. Möglichst viele Bereiche sollten also selbständig Finanz- oder Mittelquellen nutzen. Mindestens die formalen rechtlichen Strukturen sollten klar getrennt sein.

Das bedeutet nicht, dass sinnvolle Kooperationen oder Koordinierungen von Arbeiten bzw. Aufgaben nicht stattfinden dürften. Es soll nur vermieden werden, einen formalen Überbau für die Projekte zu schaffen.

Auch wenn versucht werden soll, möglichst wenig Geld auszugeben, wird versucht, entstehende Kosten auch finanziell erfassbar abzuschätzen, da dies für Förderanträge hilfreich ist und weil für den Fall, dass die kostenlose Beschaffung nicht oder in geringerem Umfang gelingt, diese Ausgaben entstehen könnten.

rechtliche Strukturen

Die Stiftung FreiRäume ist EigentümerIn von Haus und Grundstück. Sie schließt einen Autonomievertrag mit anderen NutzerInnen des Hauses ab, in dem sie sämtliche Nutzungs- und Gestaltungsrechte abgibt und sich lediglich ein Vetorecht gegen den Verkauf, die Schließung oder Privatisierung der Immobilien vorbehält. Die Nutzungsrechte werden bedingt übertragen - sie sind an die Vorgabe gekoppelt, dass sämtliche vom Autonomievertrag erfasste Gegenstände offen zur Verfügung stehen und dass Entscheidungen gleichberechtigt miteinander getroffen werden. Mit den Nutzungsrechten überträgt die Stiftung auch die Pflichten eines Haus- und Grundstückseigentümers an die NutzerInnen. Diese sind also weitestgehend eigenverantwortlich für das Objekt zuständig. Formal wird diese Pflichten der für "Kein 'Schöner Wohnen'" neugegründete Förderverein "Förderverein Umwelt Bildung Kunst Kultur Jugend Sozial e.V." übernehmen. Diese Kosten sollen über Spenden von den NutzerInnen des Hauses gedeckt werden.

Absehbar ist, dass es einige weitere Vereine geben wird, die an Projekten im Haus beteiligt sein werden: Der Löwenzahn e.V., der an der Haussuche beteiligt war, der neue extra für "Kein 'Schöner Wohnen'" gegründete "Förderverein Umwelt Bildung Kunst Kultur Jugend Sozial e.V." und wahrscheinlich noch weitere. Gut wäre, wenn sich hier Projektbeteiligte zusammentun und für unterschiedliche Bereiche weitere solche Strukturen gründen.

Für verschiedene Förderungen, die akquiriert werden können, ist eine solche Vereinsstruktur nicht vorgeschrieben - z.B. im Rahmen des EU-Förderprogramms JUGEND oder wenn es um Bildungsveranstaltungen über JANUN geht. Für solche Projekte sollte dann - da alle Vereinsaktivitäten auch formalen Aufwand bereiten - eher Initiativen "gegründet" werden, die nicht die aufwändige Anerkennung als eingetragener Verein erfordern.

Immobilienerwerb

Dies ist eine einmalige Phase zum Start des Projekthauses und wird mit der Abzahlung der Darlehen beendet sein.

Aufwendungen:

  • Immobilienkauf: ca. 190.000 EUR (ungesicherte Annahme)
  • eventuelle mit dem Kauf verbundene Gebühren
  • Zinsen für kommerzielle Kredite
  • Rückzahlung der Darlehen und Kredite

Einnahmen:

  • Spenden von Projektbeteiligten: ca. 20.000 EUR
  • Darlehen Stiftung FreiRäume: ca. 30.000 EUR

Sanierung

Da es für die Sanierung der erworbenen Immobilie besondere Zuschüsse gibt, sollte die Phase der ersten Sanierung von späteren Instandhaltungsarbeiten abgekoppelt betrachtet werden.

Aufwendungen:

  • Sanitäranlagen

Instandhaltungsmaßnahmen

Ein Haus und Grundstück bedürfen kontinuierlicher Pflege, Reparaturen und des Ersatzes nicht reparaturfähiger Teile. In diese Rubrik können auch die Kosten zugeordnet werden, die sich aus dem Eigentum der Immobilie ergeben. Dies sind also langfristige und dauerhaft einzuplanende Aufwendungen.

Aufwendungen:

  • eigentumsbezogene Aufwendungen:
    • eventuell Grundsteuer
    • eventuell notwendige Versicherungen (Gebäudehaftpflicht, Gebäudeversicherung, Inventarversicherung)
    • Abgaben wie Müllgebühren oder Straßenreinigung, sofern nicht vermeidbar
  • Instandhaltungs-Aufwendungen:
    • Reparaturen, Pflegemaßnahmen, Ersatzanschaffungen:
      • z.B. Farbe, Werkzeuge, Zement, Holz und weitere Baumaterialien
      • technische Geräte, Maschinen, Sanitäranlagen
      • Die Arbeiten können zu großen Teilen in Eigenarbeit vorgenommen werden, wenn Zeit dazu ist und Leute sich darum kümmern. Das meiste Material ist zumindest prinzipiell gratis erhältlich sind. Ausnahme sind Spezialteile oder -arbeiten, die schwer kostenlos organisierbar sind.

Einnahmen:

  • Sachspenden
  • kostenlose Arbeitsleistungen
  • Spenden der Projekte und NutzerInnen des Hauses
  • allgemeine Spenden an den Förderverein für das Haus
  • Zuschüsse an den Förderverein für das Haus
  • In-Rechnung-Stellung an Projekte, die Zuschüsse erhalten

Projektkosten

Jedes Projekt im Haus wird als eigenständig betrachtet. Es gibt keine Rechtsstruktur für das Gesamtprojekt. Fördermittel werden immer für Teilprojekte beantragt. Diese können auch mehrere Projekte inhaltlich zusammenfassen, wenn das für einen Förderantrag günstig erscheint. Das sind dann strategische Überlegungen zur Mittelakquise.

Hier kann wiederum zwischen einmaligen Projekten unterschieden, die nur für einen abgeschlossenen Zeitraum Förderung erhalten (das wird die Regel sein), und denen, die dauerhafte Zuschüsse erzielen (selten möglich). Die Unterscheidung ist sinnvoll, da diese beiden Varianten sehr unterschiedliche Kalkulationen erlauben.

Aufwendungen
laufende (überwiegend projektunabhängige) Aufwendungen:

  • Strom
  • Wasser-/Abwasser
  • Heizung
  • Telefon/Internet (Flatrates)

projektgebundene Aufwendungen:

  • Versandmaterial, Porto
  • Papier, Toner, Druckerpatronen
  • Büromaterial
  • Moderationsmaterial
  • Technikanschaffungen, Zubehör
  • Reparaturen
  • Verbrauchsmaterial (z.B. Energiesparlampen)
  • Reinigungsmittel
  • Möbel, Ordnungssysteme
  • Druckkosten
  • u.U. Anzeigenschaltung, Promotionmaterial
  • Honorare, FÖJ-Anteile
  • Internet-Hosting
  • Nahrungsmittel
  • Fahrtkosten

Zu einem großen Teil wird eine klare Zuordnung der Kosten zu einzelnen Projekten nicht möglich sein. Häufig werden einzelne Projekte gerade etwas mehr Einnahmen als nötig haben und andere weniger. Daher sollten Ressourcen und Finanzierungs- bzw. Selbstorganisationsmöglichkeiten gegenseitig zur Verfügung gestellt werden. Insofern muss nicht unbedingt jedes Projekt genau die Aufwendungen tragen, die es verursacht, solange dies insgesamt gelingt.

Ob ein Projekt hier im Haus stattfinden kann, soll nicht vom Geld abhängig sein. Auch wenn keine Beiträge zu den Grundkosten des Hauses gezahlt werden, ist die Raumnutzung möglich. Natürlich können auch die Ressourcen der anderen Projekte mitgenutzt werden. Damit die Projekte insgesamt funktionieren, sollte im Auge behalten werden, dass es Kosten und Arbeiten gibt, die irgendwie getragen werden müssen. Die Auseinandersetzung darüber wird zwischen den NutzerInnen möglichst gleichberechtigt geführt.

Ein neues Projekt soll so angelegt werden, dass es keine zusätzlichen Verbindlichkeiten für andere produziert, die das nicht wollen. D.h. wenn die ProjektmacherInnen sich verkalkulieren, soll das nicht auf andere Projekte im Haus zurückfallen.

Gratis- bzw. Selbstorganisation

Hier erfolgt eine Beschreibung zu konkreten Möglichkeiten, Materialien und Dienstleistungen ohne Geldzahlungen zu erhalten.

Fördermittel und Zuschüsse

In diesem Abschnitt werden konkrete Fördertöpfe, Stiftungen und andere Möglichkeiten finanzieller Unterstützung beschrieben.

mögliche Gebäude

Fußnoten

  1. http://www.projektwerkstatt.de/hoppetosse/hierarchNIE/offenerraum.html
  2. "Hallo, ich bin der Herd. Wenn Du möchtest, dass ich lange benutzbar bin, verwende mich soundso." Z.B. auch Hinweise, wer sich mit einer bestimmten Sache und deren Benutzung besonders auskennt.
  3. Alle Werkzeuge und Kisten, die in die Fahrradwerkstatt gehören, sollen grün markiert sein.
  4. z.B. verstecktes Theater oder Einzelne haben evtl. extreme Rolle für einem zufälligen Tag
  5. NABU = Naturschutzbund Deutschland
  6. Leute müssen häufig Arbeiten für wenig Geld machen, für die ansonsten weit mehr gezahlt würde
  7. Beispielsweise die 1-Euro-Jobs werden von den Arbeitsagenturen zur Disziplinierung widerspenstiger Arbeitsloser eingesetzt; prinzipiell dienen alle diese Wieder-in-Beschäftigung-setzenden Maßnahmen dazu, Leute als "verwertbar" für Wirtschaft und Lohnausbeutungswelt zu bewahren; werden 1-Euro-Jobs abgelehnt, drohen in der Regel Sanktionen wie die massive Kürzung der Bezüge
  8. (1)Als „Zwangsdienste“ werden neben dem Zivildienst, der nicht auf freiwilliger Entscheidung basiert, sondern gesetzlich verlangt wird, Arbeitsdienste von straffälligen Personen betrachtet. Da letzteren durch die Ableistung gemeinnütziger Arbeiten eine deutliche Verbesserung ihrer Situation ermöglicht werden kann, soll im Einzelfall geklärt werden, ob eine eigenständige und frei gewählte Arbeit für diese Menschen hier möglich ist.
  9. Das ist noch kein fertiger Abschnitt, sondern erst mal hier gesichert. Zur Organisation muss noch mehr überlegt werden... --Falk
  10. FÖJ = Freiwilliges Ökologisches Jahr
  11. Gemeint ist hier, dass häufig in den Freiwilligendiensten junge Menschen für einen höchstens symbolischen Betrag beschäftigt werden und dabei Arbeit leisten müssen, die normalerweise von deutlich besser bezahlten Kräften erledigt werden. Dadurch wird in einigen Bereichen (z.B. Medizin) Fachkräfte verdrängt oder die Löhne gedrückt.