Termine: Action in Japan Dokumentarfilme

Aus Schöner Wohnen
Wechseln zu: Navigation, Suche
Medienspiegel:
Döbelner Rundschau
Kultur- und Freizeitplan der Stadt Döbeln
Döbelner Anzeiger
Döbelner Anzeiger
Döbelner Rundschau
Döbelner Wochenkurier
Döbelner Allgemeine Zeitung

Inhaltsübersicht

Japan inside - 3 Kurzdokus über die gesellschaftliche Situation in Japan: Anti-Atom - Obdachlosigkeit - Prekariat

Am 12. April 2012 findet um 18 Uhr im Café Courage, Bahnhofstr. 56 in Döbeln ein Dokumentarfilmabend mit der Filmemacherin Sigrid Oberer unter dem Titel "Action in Japan" statt. Sie dokumentiert seit 2007 im Rahmen des Filmprojekts "Action in Asia" verschiedene Soziale Bewegungen in Ländern Ost- und Südost-Asiens. An diesem Abend werden wir drei halbstündige Dokumentationen zu Anti-Atom-Bewegung und Arbeiterkämpfen in Japan zeigen sowie mit der Filmemacherin über ihre Erlebnisse und Eindrücke sprechen können.

Die drei Kurzdokumentationen stammen alle aus Japan und verbinden sich zudem durch den roten Faden Widerstand gegen die Arbeits- und Lebensverhältnisse in diesem Land.

Der erste Film zeigt den Lebensalltag von obdachlosen Arbeitern in Japans Metropolen. Von diesen Taglöhnern werden momentan im Auftrag von Sub-Sub-Unternehmen auch die sogenannten „Genpatsu Gypsies“ oder „Atomnomaden“ rekrutiert, die unter prekärsten Umständen versuchen die Katastrophe in Fukushima zu bekämpfen.

Um Prekarität geht es auch im zweiten Film über eine japanische Gewerkschaft, die von Freetern für Freeter gegründet wurde und positive Beispiele für Arbeitskämpfe mit Empowerment zeigt.

Im dritten Film des Abends geht es um die inzwischen fast 60-jährige Geschichte der Anti-Atom-Bewegung in Japan, die von den deutschen Mainstream-Medien bisher anscheinend noch nicht entdeckt worden ist.


Obdachlosigkeit

Nojukusha und Internet-Café-Flüchtlinge: Japans obdachlose ArbeiterInnen
Dokumentarfilm von Sigrid Oberer | Länge: 19:24 min - OV mit dt. Untertiteln

„Nojukusha“, Schläfer auf dem Felde, werden die Menschen in Japan genannt, die obdachlos geworden, auf der Strasse, in Parks oder entlang der Flussufer kleine Zelte oder Baracken errichten.

Bei den Obdachlosen handelt es sich meist um Männer, die vom Land in die japanischen Metropolen migriert sind, um dort Arbeit zu finden. Meistens leben sie dort isoliert in Stadtteilen, die sich komplett nur um die Tagelohnarbeit herum organisieren, wie z.B. in Osaka´s Kamagasaki oder in San´ya östlich von Tokyo und größtenteils von der japanischen Mafia, der Yakuza, kontrolliert werden. Trotz der Isolierung von und das Ignorieren durch die japanische Gesellschaft werden sie durch ihr Zuhause, Zelte aus blauer Plane, sichtbar.

Es gibt aber auch die lange von der japanischen Regierung verleugnete „unsichtbaren Obdachlosigkeit“. Vor allem junge Leute leben oft für mehrere Monate in den rund um die Uhr geöffneten Internet-Cafés, Fast-Food-Läden oder angemieteten Lagerräumen, weil sie durch ihre prekäre Arbeit als Freeter nur wenig Geld verdienen und sich die hohen Mieten in den Metropolen nicht leisten können.

Daneben gibt es noch den Bereich der „politischen Obdachlosigkeit“. Meist junge Aktivist_innen sind den Weg in die Obdachlosigkeit bewusst gegangen als Alternative zum und Kritik am japanischen Leistungssystem. Ein wichtiger Pfeiler den sie anstoßen, ist die Selbstorganisierung. Auch die Unterstützungsgruppen sorgen für Gemeinschaft z.B. durch die täglich stattfindenden „Community Kitchens“ (Strassenküchen), in denen gemeinsam gekocht und gegessen wird, es medizinische Versorgung gibt und manchmal auch gemeinsam ein Film gesehen wird.


Anti-Atom

Können Schweine fliegen? – Geschichte der No-Nuke-Bewegung in Japan
Dokumentarfilm von Sigrid Oberer | Länge: 31:25 min - OV mit dt. Untertiteln

„Können Schweine fliegen?“ erzählt die Geschichte des japanischen Anti-Atom-Bewegung von ihre lokalen Anfängen in den 1950er Jahren über die Reaktion in Japan auf den GAU in Tschernobyl und den Unfall in Tokaimura im Jahr 1999 bis zum jüngsten nuklearen Desaster in Fukushima.

Anhand von Beispielen zeigt die Kurzdokumentation die Schwierigkeiten der Bewegung z.B. den Kampf von Surfern gegen den Ballungsraum der Nuklearindustrie in Rokkasho wie auch deren Erfolge. Ein Besonderer ist den Fischer_innen der Insel Iwaishima zu verdanken, die seit 20 Jahren jeden Montag gegen den Bau des Kaminoseki AKWs in der Tanoura Bucht protestiert haben. Mit viel Witz und Verve sorgen sie auch noch im Alter von 80 Jahren für Aufruhr.

In Interviews aus dem Jahre 2009 lassen Aktivisten sowie eine japanische Wissenschaftlerin zu sozialen Bewegungen die letzten Jahrzehnte Revue passieren. Sie analysieren u.a. die Strategien der Atomindustrie den Protest der AnwohnerInnen um die AKWs zum Schweigen zu bringen. Vor allem in den armen ländlichen Gegenden Japans wurde der Protest durch Geld oder Arbeitsmöglichkeiten besänftigt.

Der Film zieht auch Parallelen zu anderen politischen Bewegungen in Japan wie dem Kampf gegen den Flughafen Narita in der Nähe von Tokyo oder gegen US-Militärbasen in Japan.

Zudem wird auch kurz die Frage von Atomwaffen in Japan angesprochen und warum die japanische Gesellschaft eigentlich nicht viel Interesse an der Atomfrage hatte. Die Dokumentation endet mit Bildern von den Protesten der alten und der neuen Anti-Atom-Bewegung in der Post-Fukushima-Ära.


Prekariat und Arbeitskämpfe

Freiheit und Überleben – Die Freeter Gewerkschaft
Dokumentarfilm von Sigrid Oberer | Länge: 30:50 min - OV mit dt. Untertiteln

"Freedom and Survival - Die Freeter Union" ist die Geschichte einer japanischen Gewerkschaft gegründet im Jahr 2004 in Tokio von und für Freeters. Das japanische Wort Freeter wird zusammengesetzt aus dem englischen „free“ und dem deutschen „Arbeiter“ und bezeichnet das Phänomen prekärer Arbeit in der japanischen Gesellschaft.

Früher war es oft eine bewusste Entscheidung sich dem traditionellen Karriereweg als „salary men“ in einem Konzern zu verweigern und dem japanischen Arbeitsethos einen alternativen Lebensstils entgegen zu stellen. Aber heutzutage, vor allem nach dem Platzen der ökonomischen Blase in den 1990er Jahren und durch die Krise im Jahr 2008, haben junge Leute oft keine andere Wahl. Als Freeter zu arbeiten wird zur existentiellen Notwendigkeit, um in einer Gesellschaft zu überleben, in der Arbeit der wichtigste Wert und zugleich Identität ist und deren Sozialsysteme kaum zum Überleben reichen.

Trotz dieser schwierigen Situation sind die Arbeitskämpfe der Freeter gegen unfaire Arbeitsbedingungen und ChefInnen sowie die emotionale Unterstützung auch im alltäglichen Leben Empowerment pur. May Days, Flying Squads, Freedom and Survival House und der Golden Brigade Tour zeigen das Politik auch Eventcharakter haben und wie viel Spaß Solidarität machen kann.


Mehr Informationen und Clips unter:

Die erste DVD aus der Reihe „Action in Asia“ ist im April 2011 bei Cine Rebelde erschienen.